Der vkm feiert in diesen Tagen sein 50jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass richtet unser Vorstandsmitglied Carsten Schwöbel (Vertreter des Küsterbundes) mit nachfolgendem Text einmal den Blick auf die Entstehungsgeschichte unseres Verbandes.

„Gerade die Leute mit den kleinen Gehältern brauchen unbedingt eine Interessenvertretung.“ L. Gießelmann

Vor 50 Jahren, am 1. April 1969, wurde in Mainz der Verband kirchlicher Arbeitnehmer (VkA) Hessen-Nassau gegründet (1985 erfolgte die Umbenennung zu „Verband kirchlicher Mitarbeiter“, vkm ). Die Gründungsmitglieder waren:

Lothar Gießelmann, Gemeindeamtsleiter Mainz

Gisela Jung, Kindergartenleiterin Mainz

Hans-Dieter Dörr, Rentamtsleiter Groß-Umstadt

Manfred Hahnefeld, Rentamt Nidda

Klaus Limberg, Dekanatsjugendwart Offenbach

Günter Sänger, Rentamtsleiter Nassau

Hans Stark, Küster Darmstadt und Vorsitzender des Küsterbundes

Treibende Kraft ist der aus Schleswig-Holstein stammende Lothar Gießelmann, der bereits im Vorstand des gut organisierten VkA seiner Heimatkirche aktiv gewesen war, wo es seit 1960 kirchengemäße Tarifverträge gibt. Beim ersten Verbandstag in Mainz wird er zum Vorsitzenden gewählt. Ein großer Teil der Mitglieder kommt aus dem Bereich der Verwaltung. 1970 wird der Küsterbund der EKHN korporatives Mitglied des VkA und der VkA Hessen-Nassau tritt dem Hauptverband kirchlicher Mitarbeiterverbände im Bereich der EKD bei. Da innerhalb der Landeskirche und des Diakonischen Werkes die gewünschte Mitwirkung der Mitarbeitenden beim Arbeits- und Tarifrecht im Rahmen des Mitarbeitervertretungsrechts favorisiert wird, hat der junge VkA zunächst keinerlei Mitgestaltungsmöglicheiten. Für einige Jahre stellt er deshalb seine Tätigkeit praktisch wieder ein. 1976 schlägt die EKD ihren Gliedkirchen die Einführung des sogenannten Dritten Weges bei der Setzung des Arbeitsrechtes vor, d. h. die Einrichtung paritätisch besetzter arbeitsrechtlicher Kommissionen mit bindenden Beschlüssen. Die Alternative, die Einführung von Tarifverträgen aufgrund Art. 9 des Grundgesetzes (Zweiter Weg), wird von den Arbeitgebern als nicht kirchengemäß betrachtet; kirchengemäße Tarifverträge unter Verzicht auf das Streikrecht werden dagegen von den Mitarbeitenden kritisch gesehen und überwiegend abgelehnt.

Im Frühjahr 1979 bietet die Kirchenleitung der EKHN dem VkA die Mitarbeit beim geplanten Dritten Weg an. Bei einem außerordentlichen Verbandstag in Bad Homburg formiert sich der Verband neu und wählt Kurt Leipold zum neuen Vorsitzenden. Es wird beschlossen, die Mitarbeit beim Dritten Weg abzulehnen und stattdessen Tarifverträge zu fordern. Entgegen des Votums aller Mitarbeiterorganisationen beschließt die Herbstsynode der EKHN mit dem entsprechenden Arbeitsrechtsregelungsgesetz (ARRG) die Einführung des Dritten Weges. Im ARRG ist vorgesehen, dass beim Fehlen von entsendungsberechtigten Mitarbeiterverbänden oder wenn diese von ihrem Entsendungsrecht keinen Gebrauch machen, die Arbeitnehmerseite der Arbeitsrechtlichen Kommission (ARK) von der Gesamtmitarbeitervertretung (GMAV) der EKHN und von der Arbeitsgemeinschaft der Mitarbeitervertretungen (AGMAV) des Diakonischen Werkes besetzt wird.

Schließlich befürwortet im Frühjahr 1980 der außerordentliche Verbandstag des VkA in Frankfurt doch die versuchsweise Teilnahme am Dritten Weg – ein Entschluss, den man sich verständlicherweise nicht leicht gemacht hatte. Zum einen will man natürlich nicht zurück zum sogenannten Ersten Weg, bei dem die Kirche als Arbeitgeber das Arbeits- und Tarifrecht einseitig festlegt und kirchliche Mitarbeitende nur beratend tätig sind, zum andern will man die eventuelle Beteiligung von GMAV und AGMAV am Dritten Weg verhindern, denn der VkA legte von Anfang an Wert darauf, bei den Zuständigkeiten zwischen der Setzung von Arbeits- und Tarifrecht und deren Umsetzung in der Praxis strikt zu trennen.

Vor allem von Seiten der AGMAV wird dies als Verrat am Zweiten Weg gesehen, für den man bislang gemeinsam gekämpft hatte, und so kommt es zu einem langjährigen tiefen Zerwürfnis zwischen GMAV/ AGMAV und VkA, was der Sache der Mitarbeitenden natürlich nicht gerade förderlich ist. Um auch für den diakonischen Bereich die Entsendungsberechtigung für die ARK zu erreichen, werden von Mitarbeitenden, die mit dem Kurs der AGMAV nicht einverstanden sind, binnen kürzester Zeit über 300 Mitglieder aus der Diakonie für den VkA gewonnen. Am 1. Oktober 1980 konstituiert sich die erste ARK der EKHN und nimmt ihre Arbeit auf; alle Arbeitnehmervertreter sind vom VkA entsandt worden.

Seit nunmehr 50 Jahren vertritt der vkm die rechtlichen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kirche und Diakonie. Bis heute wirkt er bei der Gestaltung der Arbeitsbedingungen und der Vergütungs- und Versorgungsregelungen mit.